September - Oktober 2004
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Ein Jubelfest für die Physik

Juniorprofessor Jens Eisert mit 1,25 Millionen Euro-Preis geehrt

"Wir sind stolz darauf, dass Jens Eisert einen so exzellenten Preis für seine hervorragenden Forschungen erhalten hat", sagt Prorektor Prof. Dr. Frieder Scheller. Der junge Physiker von der Universität Potsdam ist einer von jenen 25 Nachwuchswissenschaftlern, die Ende August mit dem European Young Investigator Award (EURYI) geehrt wurden.


Lebt für die Quantenphysik:
Juniorprofessor Jens Eisert
Foto: Fritze
Jens Eisert gehört zu den ersten Juniorprofessoren an der Universität Potsdam. Er ist seit 2003 Juniorprofessor für Theoretische Physik/Quanteninformation. Dem 1970 in Ludwigshafen Geborenen ist es nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden, Physiker zu werden. Aufgrund seiner vielseitigen Interessen hätte seine berufliche Entwicklung auch ganz anders verlaufen können. Trotz seiner schon im Schulalter vorhandenen Begeisterung für die Naturwissenschaften wollte er sich zunächst der Kunst widmen. Letztlich studierte er aber doch Physik in Freiburg und an der amerikanischen University of Connecticut. Zum Thema "Entanglement in Quantum Information Theory" promovierte er 2001 an der Universität Potsdam. Er forschte bereits am Imperial College of Science, Technology and Medicine in London.

Es ist für Eisert "eine große Ehre zu sehen, dass es anderen Spaß macht, meine Forschungsergebnisse zu lesen". Enthusiasmus und Begabung allein führten nicht zu wissenschaftlichen Höchstleistungen, ist er sich sicher. Vielmehr seien in erster Linie großer Fleiß, Beharrlichkeit und harte Arbeit Voraussetzungen für Erfolge. Auch Offenheit gegenüber neuen Fragestellungen hält er für sehr wichtig. Und ein gewisser "spiritueller Eifer" müsse an den Tag gelegt werden, um Höchstleistungen erbringen zu können. "Karriere oder Gehalt zu optimieren", könne nicht das Motiv sein, um in der Wissenschaft Exzellentes zu leisten. Klar ist dabei auch, dass sich ein Acht-Stunden-Arbeitstag von selbst verbietet.
Der junge Wissenschaftler ist übrigens der einzige Theoretische Physiker, der mit dem Award ausgezeichnet wurde. Es kommt ihm sehr entgegen, dass der mit bis zu 1,25 Millionen Euro dotierte Preis den Karriereweg junger Forscher unterstützen und zugleich die Attraktivität des europäischen Forschungsraums im internationalen Wettbewerb erhöhen soll. Das Preisgeld muss nach strengen Vorgaben verwendet werden. Jens Eisert wird es nutzen, um daran zu arbeiten, die bestehende Quantenfeldtheorie zu erweitern und somit praktische Anwendungen zu ermöglichen. Es könnte in Zukunft eine völlig neue Generation von Computern entstehen, meint der Physiker. So widmet er sich insbesondere der Frage, was die physikalischen Grundlagen von Informationsverarbeitung sind und wie die Quantenphysik dazu beitragen kann, bestimmte Berechnungsaufgaben und Kryptographieaufgaben besser zu lösen als bisher. Es geht ihm auch darum, die neuen Methoden der Quanteninformation anzuwenden, um ein neues Verständnis von komplexen Quantensystemen zu erzielen.
Frieder Scheller sieht mit der Vergabe dieses hochwertigen Preises an einen Nachwuchswissenschaftler nicht zuletzt das Konzept der Förderung junger Wissenschaftler an der Universität Potsdam bestätigt. Die Juniorprofessur nehme darin einen wichtigen Platz ein. "Wir halten daran fest." Die Preisvergabe an Jens Eisert ist für Prof. Dr. Martin Wilkens "ein Jubelfest für die Physik". Der Doktorvater des Juniorprofessors betrachtet es als seine Aufgabe, den jungen Wissenschaftler an Potsdam zu binden. "Wir können es uns nicht leisten, dass er uns verlässt." Wissenschaftlern mit herausragenden Leistungen müsste eine dauerhafte Professur in Aussicht gestellt werden, auch um das Ansehen der Universität zu stärken. Im Augenblick scheint es allerdings so, als ob Jens Eisert zukünftig am renommierten englischen Imperial College of Science, Technology und Medicine forschen wird. Hier gebe es für ihn die Möglichkeit einer langfristigen Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Quanteninformationsverarbeitung. Er sagt aber auch: "Ich bin gern in Potsdam". Die Universität bemühe sich, Eisert zu halten, so Frieder Scheller.

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[Letzte Aktualisierung 17.10.2004, Queck]